10. KAHNALYSE, Kroatien ./. Portugal am 25. Juni 2016

Klartext: Ich weiß, dass für viele von euch Kroatien der Favorit ist. Dennoch sage ich: Wenn Ronaldo heute etwas weniger an sich und etwas mehr an die Mannschaft denkt, wird er der Grund sein, warum Portugal ins Viertelfinale einzieht. Ronaldo kann gerade in einem K.o.-Spiel den Unterschied ausmachen. Aber dafür muss er bereit sein. Portugal braucht den erfahrenen Ronaldo, nicht den egoistischen. Ansonsten wird Kroatien Unachtsamkeiten bei den Portugiesen gnadenlos ausnutzen. Der Gewinner dieses Spiels hat für mich aufgrund der Spielplan-Konstellation eine riesige Chance ins Finale einzuziehen.

 

Analyse: Wir brauchen an dieser Stelle nicht von den individuellen Fähigkeiten Ronaldos sprechen. Die sind bekannt und unbestritten. Welchen Wert er für die Mannschaft haben kann, hat er mit zwei Toren und einer Vorlage beim 3:3 gegen Ungarn bewiesen. Viel interessanter ist es zu beobachten, wie Ronaldo sich taktisch in Absprache mit seinen Teamkollegen verhält. Dabei ist auffällig, dass er sich keinesfalls zu schade ist, lange Wege zu gehen, sich fallen zu lassen oder auf die Flügel auszuweichen. Ronaldo ist somit nur ein Teil einer extrem variablen Offensive – wenn auch der entscheidende. Ist er anspielbar, bekommt jeder Gegner Probleme. Gemeinsam mit Nani, Quaresma (oder wie gegen Ungarn Joao Mário) wechselt Ronaldo immer wieder die Positionen. Gomes spielt im Offensivkonstrukt ebenfalls eine wichtige Rolle für Ronaldo. Er rückt konsequent ins Zentrum, um von dort dann in die Spitze zu stoßen. Diese Bewegungen ermöglichen es Ronaldo, sich immer wieder auf dem Flügel anspielen zu lassen. Hochinteressant ist, dass Ronaldo (und im Übrigen auch Nani) nominell im Sturmzentrum spielen und dort zuletzt auch glänzten. So erzielten Ronaldo und Nani die drei Tore gegen Ungarn im Strafraum! Allerdings ist auch die offensive Variabilität der Kroaten nicht zu unterschätzen. Modric eröffnet als Kopf der Mannschaft das Spiel mit geschickten Pässen und lauert bei Angriffen stets auf den zweiten Ball. Zudem lässt sich Rakitic im Aufbau von der Zehner-Position immer wieder zurückfallen und bietet somit eine zusätzliche Anspielstation im Zentrum. Mandzukic weicht auch gerne mal auf den linken Flügel aus, wenn der momentan wie aufgedreht wirkende Perisic von hinten hochschiebt und den Weg ins Zentrum sucht.

 

Hintergrund: Dreimal trafen Portugal und Kroatien bisher aufeinander. Dreimal gewannen die Portugiesen. Interessant: Noch nie kassierten sie gegen die Kroaten ein Gegentor. Allerdings läuft es für Kroatien unter Neu-Coach Ante Cacic hervorragend. Zehn Länderspiele hat Kroatien unter ihm absolviert, dabei nie verloren und sogar acht Siege eingefahren. Zu erwähnen ist noch, dass die Kroaten zum zweiten Mal die Gruppenphase bei einer EM als Erster abgeschlossen haben. 2008 holten sie ebenfalls Rang eins, schieden dann aber gleich im Viertelfinale aus – gegen die Türkei im Elfmeterschießen.

 

News: Personell dürfte sich bei Kroatien wieder einiges ändern. Mandzukic bekam im letzten Gruppenspiel eine Pause, wird aber wohl wieder für Kalinic in die Startelf rücken. In diese wird auch der zuletzt leicht angeschlagene Modric zurückkehren. Und auch die Rückkehr von Vida, Strinic und Brozovic, die alle ebenfalls gegen Spanien eine Pause erhielten, ist denkbar.

 

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