15. KAHNALYSE, Deutschland ./. Frankreich am 7. Juli 2016

Klartext: Wenn ich ein Spiel bei dieser EM verlegen könnte, dann würde ich dieses wählen. Und es auf den 10. Juli datieren – den Finaltag. Das Team von Jogi Löw nimmt das Wissen mit in die Halbfinalpartie mit Italien schon einen ganz großen Gegner und Mitfavoriten ausgeschaltet zu haben und Spiele auch im Elfmeterschießen für sich entscheiden zu können. Das muss die Mannschaft von Didier Deschamps erst noch beweisen.

 

Analyse: Ich habe in meinen Kahnalysen ja schon öfter die Wichtigkeit von Gomez für das deutsche Spiel erwähnt. Und auch gegen Frankreich braucht Deutschland ihn, auch wenn er gar nicht spielen kann. Was ich damit meine ist, dass das DFB-Team den Typ Gomez braucht. Einen echten Stürmer, der aufgrund seiner Robustheit Präsenz im gegnerischen Strafraum hat – und gleichzeitig immer Torgefahr ausstrahlt. Einen Stürmer, bei dem es sich beide Innenverteidiger des Gegners nicht trauen, ihn aus den Augen zu lassen, womit Lücken für andere Offensivspieler im Sechzehner entstehen. Einen Stürmer, den man sowohl flach aus dem Zentrum als auch per Flanke von außen bedienen kann. Einen Stürmer, der immer geil auf Tore ist. Das Gute ist: Deutschland hat diesen Spielertyp. Sein Name ist Thomas Müller. Er verkörpert viele Merkmale, die auch Gomez besitzt. Mit dem Unterschied, dass Müller normalerweise viel weitere Wege geht, sich extrem viel in den Räumen um den Strafraum herumbewegt und eigentlich überall anspielbar ist. Fakt: Das ist eine überragende Qualität und ist auch ganz essenziell für das Spiel von Müller. Doch in diesem einen Spiel könnte Müller vielleicht etwas mehr Gomez sein: Weniger Wege machen, dafür mehr die Position im Strafraum halten. Weniger Räume suchen, dafür mehr Räume aufreißen. Klar, dafür müsste Jogi Löw ihn als echte Neun aufstellen. Es mag ja auch sein, dass der Bundestrainer eine ganz andere Idee im Kopf hat – ich denke da nur an Mario Götze. Und bei allen Sturmgedanken darf man ja auch nicht vergessen, dass die Franzosen ebenfalls über richtig gute Offensivleute verfügen. Besonders wenn diese über ihre rechte Seite kommen, gilt es, aufzupassen. Gleich neun ihrer elf bisherigen EM-Tore leitete Frankreich mit Angriffen über diese Spielfeldhälfte ein. Doch die Franzosen sind nicht nur über ihre Schokoladenseite gefährlich, sondern auch per Kopf. Fünf der elf Treffer erzielten sie per Kopf. Wenn man sich die Statistik anschaut, ist das keine Überraschung. Die Franzosen sind das kopfballstärkste Team des Turniers, gewannen 62 Prozent ihrer Luftduelle.

 

Hintergrund: Frankreich steht erstmals seit 16 Jahren wieder in einem EM-Halbfinale. Und ist in diesem Jahr immer noch ungeschlagen – acht Siege und ein Unentschieden. Deutschland und Frankreich treffen zum ersten Mal bei einer EM-Endrunde aufeinander. Die bisherigen vier Pflichtspielduelle fanden alle bei Weltmeisterschaften statt.

 

News: Deutschland muss gleich auf drei Stammkräfte verzichten. Gomez und Khedira fallen wegen Verletzungen aus. Hummels ist gelbgesperrt. Schweinsteiger ist wohl einsatzbereit. Wenn nicht könnte Löw Weigl das Vertrauen schenken, zudem könnte Götze zurück in die Startelf kehren. Bei Frankreich sind sowohl Rami als auch Kanté nach ihren im Viertelfinale abgesessenen Gelbsperren wieder spielberechtigt und könnten für Umtiti und Sissoko zurück ins Team kommen. Das Spiel leitet Nicola Rizolli. Vielleicht ein gutes Omen für Deutschland: Der Schiedsrichter pfiff vor zwei Jahren den 1:0-Sieg im WM-Finale gegen Argentinien.

 

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