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Karriere 1994 - 2008

Dass Kahn eine Kämpfernatur ist, bewies er vier Monate nach seinem Wechsel zum FC Bayern, als er sich einen Kreuzbandriss zuzog. (Auch hier war es übrigens ein Tag im Monat November, der Schicksal spielte!) Er musste fast ein halbes Jahr pausieren, aber das Vertrauen des FC Bayern in ihn war groß: Gleich sein erstes Spiel nach der Genesung war das Spitzenduell gegen Tabellenführer Borussia Dortmund (die Bayern gewannen 2:1). Und nur zwei Monate danach bestritt Kahn sein erstes Länderspiel, in Bern gegen die Schweiz.

Ab 1996 klappte es dann auch mit den Titeln - und wie! Der FC Bayern gewann den UEFA-Pokal und Oliver Kahn wurde zudem Europameister, wenn auch nur als Nummer zwei hinter Andreas Köpke; im nächsten Jahr folgte dann die erste von inzwischen vielen Deutschen Meisterschaften. In München trainierte Kahn mit dem großen Sepp Maier, einst sein Idol, unter dem seine Karriere immer rasantere Züge annahm: Kahn avancierte zu einem Weltklassetorhüter und stand ab 1998 als Nummer eins im deutschen Tor, wie von vielen Experten schon lange gefordert.

Erfolg ruft Neider auf den Plan, eine extrovertierte und erfolgsorientierte Persönlichkeit polarisiert: Nicht alle deutschen Fußball-Fans liebten Oliver Kahn - der negative Höhepunkt war, dass ihm im April 2000 (ausgerechnet im beschaulichen Freiburg) ein Golfball an die Schläfe geworfen wurde. Was weder der Sieg in der Champions League 2001 - nach drei gehaltenen Strafstößen im Elfmeterschießen - noch die ersten beiden von insgesamt drei Auszeichnungen als "Welttorhüter des Jahres" schafften, das gelang ironischerweise durch eine Niederlage: Das bittere 0:2 der Deutschen Nationalelf im WM-Finale 2002 gegen Brasilien machte aus Kahn auch einen Publikumsliebling, weil dem ganzen Land bewusst war, dass allein seine Paraden die Mannschaft in das Endspiel gebracht hatten.

Und vier Jahre später, bei der WM in Deutschland, gewann Kahn sogar große Sympathien selbst bei seinen Gegnern und Kritikern, obwohl er gar nicht spielte! Als sich Bundestrainer Jürgen Klinsmann auf Jens Lehmann als Nummer eins festlegte, erwarteten nicht wenige Beobachter Kahns Rücktritt aus der Nationalelf und seinen Verzicht auf die Weltmeisterschaft. Doch der Mann, der fast ein Jahrzehnt lang der Stammtorwart der DFB-Auswahl gewesen war, akzeptierte seine neue Rolle und fügte sich klaglos in den Kader ein. Unvergessen bleibt der Moment, als er seinem Konkurrenten Lehmann vor dem Elfmeterschießen gegen Argentinien Mut zusprach und Glück wünschte. Nicht nur große Paraden, auch große Gesten machen aus einem Spieler einen Star!