Klartext: Natürlich ist Frankreich der klare Favorit gegen Rumänien, das sich erstmals seit der Euro 2008 wieder für eine Welt- oder Europameisterschaft qualifiziert hat. Aber gerade dieser Favoritenrolle in einem EM-Eröffnungsspiel vor eigenem Publikum gerecht zu werden, ist enorm schwierig. Die Erwartungen an das französische Team im Stadion Saint-Denis sind extrem hoch. Es zählt nur der Titel. Dieser Anspruch kann auch lähmend wirken. Und gleichzeitig die einzige Chance für die Rumänen sein. Können die Franzosen das Drumherum ausblenden, kann es bei diesem Spiel nur einen Sieger geben – die Équipe Tricolore.

 

Analyse: Frankreich agiert im Spielaufbau aus einem 4-3-3-System heraus, in dem die Schlüsselspieler auf den Offensivpositionen eingesetzt werden und für Torgefahr sorgen. Juventus-Star Pogba ist als Achter auf halbrechts enorm ballsicher und zweikampfstark. Selbst unter Bedrängnis versucht er häufig, Zentrumsstürmer Giroud mit einem hohen Ball hinter die Abwehrkette des Gegners anzuspielen. Bei Frankreichs EM-Generalprobe vor elf Tagen gegen Kamerun (3:2) sorgte diese Aktion für ein Tor. Flügelstürmer Payet ist sehr flexibel. Interessant: In der Spieleröffnung bewegt er sich immer wieder ins Zentrum, lässt sich dort flach anspielen und sorgt somit für Verwirrung beim Gegner. Diese kleinen Bewegungen können von großer Bedeutung gegen die Rumänen sein, die ansonsten defensiv sehr gut agieren. Keine andere Mannschaft kassierte in der EM-Quali so wenige Gegentore – nur zwei. Rumänien wird Frankreich wohl aus einer kompakten 4-4-2-Grundordnung anlaufen. Das Ziel der Rumänen ist es, durch geschicktes Anlaufverhalten die französischen Aufbauspieler möglichst nach außen zu lenken, um dort auf engem Raum die Bälle zu erobern. Jedoch sind dabei bei den Rumänen auch immer wieder Lücken zwischen Sturm und Mittefeld sowie Mittelfeld und Abwehr zu erkennen. Genau diese freien Halbräume werden die Achter Pogba und Matuidi suchen, um von dort aus Frankreichs Spiel zu entwickeln.

 

Hintergrund: Seit 1984 darf der EM-Gastgeber auch das Eröffnungsspiel bestreiten. Allerdings konnte dieser dabei nur zweimal einen Sieg landen. Frankreich schaffte es 1984 gegen Dänemark, Belgien 2000 gegen Schweden. In den weiteren sechs Eröffnungsspielen gab es vier Unentschieden und zwei Niederlagen des Gastgebers. Viele von euch können sich bestimmt noch an den überraschenden 2:1-Auftaktsieg Griechenlands gegen Portugal im Jahr 2004 erinnern. Auch das belegt, wie hoch der Druck gerade im ersten Spiel auf der Heimmannschaft ist.

 

News: Da Atlético-Star Griezman bei Frankreich gesetzt scheint, ist es möglich, dass Bayern-Star Coman als Joker von der Bank kommt.

 

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