Klartext: Mit einem Sieg gegen die Türkei steht Spanien schon sicher im Achtelfinale. Nach der Blamage bei der WM 2014 – Spanien schied in der Gruppenphase aus – wird der Titelverteidiger deshalb alles für eine frühzeitige Qualifikation für die K.o.-Phase tun. Die Spanier werden dabei auf ihre fußballerische Idee setzen, die Türken auf ihre fußballerische Intensität. Für mich steht fest: Eine gute Idee schlägt hohe Intensität.

 

Analyse: Bei Spanien ist interessant zu beobachten, dass Flügelstürmer David Silva beim Erspielen von Torchancen gerne ins Zentrum rückt, während sein Pendant auf der linken Seite – Nolito – meist weit außen bleibt, um dort ins Eins-gegen-eins zu gehen. Eine ähnliche taktische Rolle nahm Silva zuletzt übrigens auch bei Manchester City ein. Zudem bewegte sich Cesc Fabregas im Auftaktspiel gegen Tschechien immer wieder in die Stürmerposition neben Morata. Von dort agierte er dann als Wandspieler oder lief selbst in die Schnittstellen der gegnerischen Abwehr ein. Auch Thiago kann diese Rolle übernehmen. Diese taktischen Raffinessen, hinter denen eine klare fußballerische Idee steckt, erlauben es den Spaniern, nicht nur mit ihrem bekannten Tiki-Taka-Fußball zum Erfolg zu kommen, sondern auch nach Vertikalpässen ins besetzte Sturmzentrum oder eben nach Flanken von den Außenpositionen. Um die Spanier zu stoppen, werden die Türken sich wohl in einer 4-3-3-Grundordnung mit tiefen Außenspielern anordnen und ab der Mittellinie die Spanier sehr intensiv angehen. Der Vorteil dieser aggressiven Spielweise: Die Türken erzielen damit verhältnismäßig viele Balleroberungen in durchaus gefährlichen Räumen und können entsprechend umschalten. Der Nachteil: Das aggressive Anlaufen läuft teilweise sehr mannorientiert und daher unstrukturiert ab, so dass sich für den Gegner Räume zum Überspielen ergeben. Schon Kroatien konnte diese Räume im Auftaktspiel einige Male nutzen. Und wenn die Türken ihr Defensivverhalten nicht deutlich verbessern, wird Spanien dieses Problem noch offensichtlicher machen.

 

Hintergrund: Die Spanier haben aktuell eine beeindruckende Serie. In den letzten sechs EM-Spielen kassierten sie kein einziges Gegentor. Dreimal gewannen sie dabei mit 1:0. Gleichzeitig enttäuschen die Türken vor dem Tor. In 7 von 13 ihrer EM-Spiele schossen sie keinen Treffer. Und hinten sind sie einfach nicht dicht. Die Türkei musste in ihren letzten sieben EM-Spielen immer mindestens ein Gegentor hinnehmen.

 

News: Bei Spanien darf Bayern-Star Thiago darauf hoffen, den Startelfplatz von Cesc Fabregas einzunehmen. Bei der Türkei sucht Nationaltrainer Fatih Terim die Gründe für die 0:1-Niederlage gegen Kroatien abseits des Platzes. Er führte „Transferverhandlungen“, „Probleme im Privatleben“ und „wenig Spielpraxis“ als Gründe für die schwache Leistung an.

 

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